Werdegang

Am 02.05.1939 wurde ich in Witten (Ruhrgebiet) geboren. Mein Vater war Maler und Keramiker aus Österreich (Mondsee) und meine Mutter Bildhauerin und Keramikerin aus Böhmen.
Die Kriegszeit verbrachte ich in Witten.
Unsere Wohnung und die elterliche Keramikwerkstatt befanden sich in der teils stillgelegten und im Krieg ausgebrannten Schamottfabrik meines Großvaters direkt an der Ruhr.
Diese Kindheit zwischen der kreativen Tätigkeit meiner Eltern und dem grenzenlosen Spielplatz der halbzerstörten Fabrik mit ihren Maschinen, Öfen, ihrem Schrott und Holz und haushohen Bergen von Tonmaterial und dem angrenzenden Flusslauf hat mein ganzes weiteres Leben geprägt. Ich erfuhr dort die unbegrenzten Möglichkeiten des Spielens und Lernens, aber auch die selbstzusteckenden Grenzen bei Gefahr und Risiko.

Noch heute ziehen mich Schrottplätze, Ruinen, Unfertiges und Chaos magisch an. Ja, im Rückblick erscheint mir meine gesamte künstlerisch kreative Tätigkeit als eine konsequente Fortsetzung meines damaligen Spielens in den Trümmern.
Fast nahtlos ging meine Jugend demzufolge in eine handwerklich künstlerische Keramik- und Bildhauerausbildung über.

Bitterer Ernst wurde es allerdings für mich, als mein Vater 1961 noch während meiner Ausbildungsphase verstarb. Damit wurde ich vor die Wahl gestellt, entweder abzubrechen und sein Keramikatelier zu übernehmen oder unsere Existenz aufs Spiel zu setzen. Ich entschied mich für den Sprung ins kalte Wasser – ein Element übrigens, das mich auch immer interessiert und künstlerisch begleitet hat – und übernahm die Werkstatt.

Da mein besonderes Interesse schon lange der Kunst und der Architektur galt, bemühte ich mich sofort um Kontakte zu Architekten. Die Ideen, die ich im Kopf hatte, fanden bei einigen namhaften Architekten Anklang: Es folgten erste Aufträge, die den Weg für weitere bereiteten.

Nach Erwerb und Renovierung eines Bauernhofes in Witten fand 1968 der Umzug in das dort neu erbaute Atelier statt. Angeregt durch die Zusammenarbeit mit der Firma Dehler in Zaandam richtete ich mir ein ständiges Atelier in Amsterdam ein, was nach wie vor eine Quelle meiner kreativen Tätigkeit ist.

Im Zuge einer Verlagerung des eigenen Schwerpunktes von überwiegend Auftragsarbeiten hin zur freien bildhauerischen Arbeit übertrug ich 2004 Atelier und Bauernhof in Witten auf Christel Lechner und richtete ein neues Atelier in Essen ein.

Mit dieser Schwerpunktsverlagerung einher ging eine Rückbesinnung auf meine Wurzeln, auch auf die österreichischen (von Eltern und Großeltern her), verbunden mit dem Wunsch, auch dort Spuren zu hinterlassen, wie z.B. mit einer auf dem Attersee schwimmenden Skulptur in Unterach, die sich zur Zeit in Planung befindet.

Peter Lechner - Bildhauer